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Glossar Cannabinoide
Inhaltsstoffe & Grundlagen

Cannabinoide

Was Cannabinoide sind, wie das körpereigene Cannabinoid-System funktioniert und warum THC, CBD und andere Cannabinoide unterschiedlich betrachtet werden.

Lesedauer: etwa 6 MinutenAktualisiert: August 2026
StoffgruppePflanze, Körper oder Labor
Bekannte VertreterTHC und CBD
Gut zu wissenNicht alle berauschen
Kompakt und ohne unnötige Fachbegriffe
In einem Satz

Cannabinoide sind Stoffe aus der Cannabispflanze, dem menschlichen Körper oder dem Labor, die mit dem körpereigenen Endocannabinoid-System in Verbindung stehen.

Wissenschaftliche Ansicht

Diese Ansicht ergänzt Mechanismen, Fachbegriffe, Säureformen und eine genauere Einordnung der bisherigen Evidenz. Die Kernaussagen bleiben dieselben.

So hängt es zusammen
1 · UrsprungPflanze, Körper oder Labor
2 · Cannabinoidzum Beispiel THC oder CBD
3 · Reaktion im Körperüber Rezeptoren und weitere Signalwege

Die Herkunft allein verrät noch nicht, wie ein Cannabinoid wirkt. Entscheidend ist, welche Signalwege es beeinflusst.

Was sind Cannabinoide?

Cannabinoide sind eine große Gruppe chemischer Stoffe. Manche werden von der Cannabispflanze gebildet, manche vom menschlichen Körper und andere gezielt im Labor. Die bekanntesten pflanzlichen Cannabinoide sind THC und CBD.

Der Name beschreibt nicht automatisch eine bestimmte Wirkung. Zwei Cannabinoide können sich trotz ähnlicher Bezeichnung im Körper sehr unterschiedlich verhalten. „Cannabinoid“ bedeutet deshalb auch nicht automatisch „berauschend“: Das typische Rauschgefühl wird vor allem mit THC verbunden.

Cannabinoide sind außerdem nicht dasselbe wie Terpene. Terpene bilden eine andere Stoffgruppe. Sie kommen in vielen Pflanzen vor und prägen unter anderem deren Geruch.

Nicht verwechselnCannabis und CannabinoidCannabis ist die Pflanze. Cannabinoide sind einzelne Stoffe.
Nicht verwechselnCBD und THCBeide sind Cannabinoide, besitzen aber unterschiedliche Eigenschaften.
Andere StoffgruppeTerpeneSie prägen unter anderem den Geruch vieler Pflanzen.
Wichtige Einordnung„Natürlich“Die Herkunft allein sagt nichts darüber aus, ob ein Stoff risikofrei ist.
Wissenschaftliche Vertiefung

Eine Stofffamilie – kein einzelner Wirkstoff

Phytocannabinoide sind überwiegend fettlösliche Pflanzenstoffe. Chemisch gehören viele von ihnen zu den sogenannten terpenophenolischen Verbindungen. Gemeinsam ist ihnen nicht eine identische Wirkung, sondern eine verwandte chemische Herkunft und ihre Fähigkeit, biologische Signalwege zu beeinflussen.

Der Begriff wird funktionell außerdem weiter verwendet: Auch körpereigene Botenstoffe und synthetisch hergestellte Substanzen werden zu den Cannabinoiden gezählt, wenn sie Komponenten des Endocannabinoid-Systems beeinflussen.

Drei Gruppen von Cannabinoiden

Für einen verständlichen Überblick lassen sich Cannabinoide nach ihrer Herkunft in drei Gruppen einteilen:

01PhytocannabinoideSie werden von Pflanzen gebildet. Dazu gehören THC, CBD, CBG, CBC und weitere Stoffe der Cannabispflanze.
02EndocannabinoideDiese Botenstoffe stellt der Körper selbst her. Zwei bekannte Beispiele sind Anandamid und 2-AG.
03Synthetische CannabinoideSie werden künstlich hergestellt. Ihre Eigenschaften und Risiken können sich stark unterscheiden.
Wissenschaftliche Vertiefung

Warum diese Einteilung wichtig ist

PhytocannabinoideIn der Pflanze liegen sie häufig zunächst als Carbonsäuren wie THCA oder CBDA vor.
EndocannabinoideAnandamid und 2-AG werden nicht dauerhaft gespeichert, sondern bei Bedarf aus Membranbausteinen gebildet.
Synthetische CannabinoideDiese Gruppe ist sehr uneinheitlich. Einzelne Stoffe können Rezeptoren wesentlich stärker aktivieren als THC.
Keine austauschbaren GruppenÄhnliche Zielstrukturen bedeuten weder gleiche Stärke noch gleiche Wirkungsdauer oder Sicherheit.

Das Endocannabinoid-System

Der Körper besitzt ein eigenes Signalsystem, das Endocannabinoid-System. Es besteht vereinfacht aus körpereigenen Botenstoffen, passenden Andockstellen und Enzymen, die diese Botenstoffe bilden oder wieder abbauen.

Anandamid und 2-AG werden bei Bedarf gebildet und beeinflussen die Kommunikation zwischen Zellen. Das System ist unter anderem im Nervensystem und in Teilen des Immunsystems aktiv. Es wird intensiv erforscht, weil es mit zahlreichen körperlichen Vorgängen verbunden ist.

CB1-RezeptorEine Andockstelle, die besonders häufig im Gehirn und Nervensystem vorkommt.

Diese Andockstelle kommt besonders häufig im Gehirn und Nervensystem vor.

CB2-RezeptorEine Andockstelle, die vor allem mit Zellen des Immunsystems verbunden wird.

Diese Andockstelle steht vor allem mit Zellen des Immunsystems in Verbindung.

Kein einfacher Ein-Aus-Schalter

Das Endocannabinoid-System ist ein komplexes Netzwerk. Cannabinoide können unterschiedliche Andockstellen und Signalwege beeinflussen. Deshalb lässt sich ihre Wirkung nicht allein aus dem Namen eines Rezeptors ableiten.

Wissenschaftliche Vertiefung

Signalübertragung im Endocannabinoid-System

CB1 und CB2 gehören zu den G-Protein-gekoppelten Rezeptoren. Werden sie aktiviert, verändern sie intrazelluläre Signalwege. Vereinfacht gesagt beeinflussen sie, wie stark eine Zelle bestimmte Signale weitergibt.

Im Nervensystem können Endocannabinoide als rückwärts gerichtete Botenstoffe wirken: Eine nachgeschaltete Nervenzelle bildet sie bei Bedarf und sendet damit ein Signal zurück an die vorgeschaltete Zelle. Dort kann die Freisetzung weiterer Botenstoffe verändert werden.

CB1Vor allem im zentralen Nervensystem verbreitet; beeinflusst unter anderem die Freisetzung von Neurotransmittern.
CB2Besonders mit Immunzellen verbunden, kommt jedoch nicht ausschließlich dort vor.
AnandamidAuch AEA genannt; wird unter anderem durch das Enzym FAAH abgebaut.
2-AGEin mengenmäßig bedeutendes Endocannabinoid; der Abbau erfolgt vor allem über MAGL.

THC und CBD im Vergleich

THC und CBD stammen beide aus der Cannabispflanze, unterscheiden sich aber deutlich in ihren Eigenschaften und ihrer Wechselwirkung mit dem Körper.

THC

THC kann CB1- und CB2-Andockstellen aktivieren. Seine Wirkung an CB1 im Gehirn trägt zum Rauschgefühl bei. Wie stark ein Mensch THC wahrnimmt, hängt unter anderem von Menge, Aufnahmeweg und persönlicher Empfindlichkeit ab.

CBD

CBD bindet nur schwach direkt an CB1 und CB2 und beeinflusst mehrere andere Signalwege. Es erzeugt nicht das für THC typische Rauschgefühl. Sein Wirkmechanismus ist noch nicht vollständig geklärt.

CBD hebt THC nicht zuverlässig auf

Häufig heißt es, CBD sei schlicht der „Gegenspieler“ von THC. Studien zeigen jedoch ein gemischtes Bild. Mengen, Verhältnis und Einnahmezeitpunkt spielen eine Rolle; eine verlässliche Neutralisierung lässt sich daraus nicht ableiten.

Warum steht manchmal THCA statt THC?

In der frischen Pflanze entstehen viele Cannabinoide zunächst als sogenannte Säureformen. Dazu gehören THCA und CBDA. Durch Wärme und andere Einflüsse kann ein Teil davon in THC beziehungsweise CBD umgewandelt werden. Dieser Vorgang heißt DecarboxylierungEine chemische Umwandlung, die unter anderem durch Wärme ausgelöst wird – beispielsweise von THCA zu THC..

Wissenschaftliche Vertiefung

THC und CBD pharmakologisch betrachtet

THCWirkt als partieller Agonist an CB1- und CB2-Rezeptoren. „Partiell“ bedeutet: Es aktiviert den Rezeptor, erreicht dabei aber nicht zwingend die maximal mögliche Signalantwort.
CBDBesitzt nur eine geringe direkte Bindungsneigung zu CB1 und CB2. Es beeinflusst mehrere andere molekulare Ziele; deshalb lässt sich sein Mechanismus nicht auf einen einzelnen Rezeptor reduzieren.
THCA und CBDATragen eine zusätzliche Carboxylgruppe. Durch Zeit und besonders durch Wärme kann Kohlendioxid abgespalten werden – es entstehen THC beziehungsweise CBD.
KonsequenzCannabinoidgehalt, Temperatur, Einnahmeweg und Dosis verändern gemeinsam, welche Stoffe den Körper tatsächlich erreichen.

Welche weiteren Cannabinoide gibt es?

Neben THC und CBD wurden zahlreiche weitere pflanzliche Cannabinoide beschrieben. Viele kommen nur in kleinen Mengen vor und sind beim Menschen wesentlich schlechter untersucht.

CBGCannabigerol gehört zu den weniger häufig vorkommenden Cannabinoiden. Viele diskutierte Anwendungen beruhen bisher vor allem auf Labor- und Tierdaten.
CBCCannabichromen ist ein weiteres pflanzliches Cannabinoid. Für konkrete medizinische Aussagen fehlen ausreichende klinische Daten.
CBNCannabinol kann unter anderem entstehen, wenn THC durch Alterung und andere Einflüsse verändert wird. Werbeaussagen zu Schlafwirkungen sind klinisch nicht ausreichend belegt.
THCVTetrahydrocannabivarin ähnelt THC chemisch, kann sich pharmakologisch jedoch anders verhalten. Die Forschung am Menschen ist noch begrenzt.
Wissenschaftliche Vertiefung

Warum „Minor Cannabinoid“ wenig über die Wirkung sagt

„Minor“ beschreibt zunächst nur, dass ein Cannabinoid typischerweise in kleineren Mengen vorkommt. Es ist keine Aussage über Stärke, Nutzen oder Risiko. Für CBG, CBC, CBN und THCV existieren zahlreiche Labor- und Tierstudien, aber deutlich weniger belastbare klinische Untersuchungen am Menschen.

Aus einem biologischen Effekt im Labor lässt sich keine medizinische Wirksamkeit ableiten. Dafür braucht es kontrollierte Studien, geeignete Dosierungen, klinisch relevante Endpunkte und eine nachvollziehbare Bewertung von Nebenwirkungen.

Wie lassen sich Angaben richtig einordnen?

Ein hoher oder niedriger Cannabinoidgehalt erzählt nicht die ganze Geschichte. Die tatsächliche Wirkung eines cannabinoidhaltigen Arzneimittels hängt von mehreren Faktoren ab:

  • welche Cannabinoide und welche Mengen enthalten sind,
  • ob Blüten, Extrakt oder ein Fertigarzneimittel verwendet werden,
  • wie das Arzneimittel angewendet wird,
  • welche Dosis ärztlich festgelegt wurde,
  • welche weiteren Medikamente eingenommen werden und
  • wie empfindlich die einzelne Person reagiert.

Was ist mit dem „Entourage-Effekt“?

Damit ist die Vermutung gemeint, dass verschiedene Bestandteile der Cannabispflanze gemeinsam anders wirken könnten als einzeln. Solche Wechselwirkungen sind wissenschaftlich denkbar. Ein stabiler und klinisch vorhersehbarer Zusatznutzen ist bisher jedoch nicht ausreichend belegt. Der Begriff sollte deshalb nicht wie eine bewiesene Qualitätsgarantie verwendet werden.

Können Wechselwirkungen auftreten?

Ja. THC und CBD werden über Enzymsysteme verarbeitet, die auch bei vielen anderen Arzneimitteln eine Rolle spielen. Dadurch können sich Wirkstoffspiegel und Nebenwirkungen verändern. Besonders bei mehreren Medikamenten sollte die Anwendung offen mit Arzt oder Apotheke besprochen werden.

Das Wichtigste

„Natürlich“ bedeutet nicht automatisch risikofrei. Gleichzeitig ist nicht jedes theoretische Risiko im Alltag gleich bedeutsam. Entscheidend sind Produkt, Dosis, Einnahmeform und Begleitmedikation.

Wissenschaftliche Vertiefung

Aufnahme, Abbau und Wechselwirkungen

Beim Inhalieren gelangen Cannabinoide vergleichsweise schnell in den Blutkreislauf. Bei der Einnahme über den Mund ist der Wirkungseintritt langsamer und die aufgenommene Menge schwankt stärker. Ein Grund ist der First-Pass-Effekt: Ein Teil wird bereits in Darm und Leber umgewandelt, bevor er den allgemeinen Blutkreislauf erreicht.

Am Abbau von THC und CBD sind Enzyme des Cytochrom-P450-Systems beteiligt, darunter CYP2C9, CYP2C19 und CYP3A4. Weil dieselben Enzyme viele Arzneimittel verarbeiten, sind pharmakokinetische Wechselwirkungen möglich. Ob sie praktisch bedeutsam werden, hängt unter anderem von Dosis, Einnahmeweg, Begleitmedikation und individueller Enzymaktivität ab.

PharmakokinetikWas der Körper mit einem Stoff macht: Aufnahme, Verteilung, Umbau und Ausscheidung.
PharmakodynamikWas ein Stoff im Körper auslöst: Zielstrukturen, Signalwege und beobachtete Wirkungen.

Häufige Fragen

Sind Cannabinoide und Cannabis dasselbe?

Nein. Cannabis bezeichnet die Pflanze. Cannabinoide sind eine Gruppe von Stoffen, die unter anderem in dieser Pflanze vorkommen.

Sind alle Cannabinoide berauschend?

Nein. Die berauschende Wirkung wird vor allem mit THC verbunden. Andere Cannabinoide besitzen andere Eigenschaften.

Sind körpereigene Cannabinoide wie THC?

Sie können dieselben Andockstellen beeinflussen, sind aber nicht mit THC identisch. Der Körper bildet und beseitigt seine Botenstoffe nach eigenen Regeln.

Ist CBD automatisch frei von Nebenwirkungen?

Nein. Auch CBD kann Neben- und Wechselwirkungen verursachen. Das Risiko hängt unter anderem von Dosis, Produkt und anderen Medikamenten ab.

Sind Cannabinoide dasselbe wie Terpene?

Nein. Terpene bilden eine andere Stoffgruppe und tragen unter anderem zum charakteristischen Geruch einer Pflanze bei.

Quellen

Verwandte Begriffe

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