420
Wie eine Uhrzeit zum weltweiten Symbol der Cannabiskultur wurde.
420 ist ein ursprünglich amerikanischer Szenecode, der sich von einer privaten Verabredung unter Schülern zu einem weltweiten Symbol der Cannabiskultur entwickelte.
Was bedeutet 420?
Wer „420“ schreibt oder sagt, bezieht sich meistens auf Cannabis oder die damit verbundene Kultur. Die Zahl kann die Uhrzeit 4:20 Uhr nachmittags, den 20. April oder Cannabis ganz allgemein bezeichnen.
Auch der Ausdruck „420 friendly“ stammt aus diesem Zusammenhang. Er weist darauf hin, dass eine Person oder ein Umfeld Cannabis grundsätzlich toleriert. Eine rechtliche Erlaubnis entsteht dadurch nicht.
420 ist weder ein Cannabinoid noch eine Dosis, ein Rezeptor oder ein chemischer Messwert.
Woher kommt 420?
Die am besten dokumentierte Geschichte beginnt 1971 im kalifornischen San Rafael. Fünf Schüler der San Rafael High School nannten sich „The Waldos“, weil sie sich regelmäßig an einer Mauer trafen.
Die Gruppe soll eine Karte zu einer angeblich aufgegebenen Cannabis-Pflanzung erhalten haben. Für die gemeinsame Suche verabredeten sich die Jugendlichen nach Schulschluss um 4:20 Uhr an einer Statue des Wissenschaftlers Louis Pasteur.
Aus der Verabredung „420 Louis“ wurde später die kürzere Bezeichnung „420“. Die gesuchte Pflanzung fanden die Jugendlichen nach eigenen Angaben nie. Der Zahlencode blieb jedoch in ihrem Freundeskreis erhalten.
Wie sicher ist diese Herkunft?
Bei informeller Szenesprache gibt es selten eine amtliche Geburtsurkunde. Für die Waldos sprechen jedoch ungewöhnlich frühe Belege: Die Gruppe bewahrte abgestempelte Briefe und weitere Unterlagen aus den 1970er-Jahren auf, in denen 420 bereits im Cannabis-Kontext vorkommt. Das Oxford English Dictionary zog diese Dokumente 2017 für seinen Wörterbucheintrag heran. Das macht die Geschichte zur am besten belegten Erklärung – auch wenn sich private Gespräche von 1971 naturgemäß nicht vollständig rekonstruieren lassen.
Wie wurde aus dem Code ein weltweites Symbol?
Mitglieder der Waldos hatten Verbindungen zum Umfeld der Rockband Grateful Dead. Vermutlich verbreitete sich der Ausdruck dadurch unter den Fans der Band, den sogenannten Deadheads.
Ende 1990 wurde bei einem Konzert in Oakland ein Flyer verteilt, der zu einem Treffen am 20. April um 4:20 Uhr aufrief. Der Journalist Steve Bloom erhielt ein Exemplar. High Times veröffentlichte den Text 1991 und verwendete 420 anschließend regelmäßig. Wer den ursprünglichen Flyer verfasste, ist bis heute nicht eindeutig bekannt.
Warum der 20. April?
In den USA wird das Datum mit dem Monat zuerst geschrieben. Der 20. April erscheint deshalb als 4/20. So ließ sich die bereits bekannte Uhrzeit 4:20 auf einen Kalendertag übertragen.
Heute steht der Tag je nach Kontext für Festivals, politische Forderungen, Popkultur oder gemeinschaftliche Veranstaltungen.
Welche 420-Geschichten stimmen nicht?
Rund um die Zahl entstanden zahlreiche Erklärungen. Für viele davon fehlen belastbare historische Belege.
Was lässt sich an 4/20 wissenschaftlich untersuchen?
420 besitzt keine eigene biologische Wirkung. Forschende können den 20. April aber als natürliches Experiment verwenden: Treten an einem Tag mit vielen Veranstaltungen bestimmte Ereignisse häufiger auf als an vergleichbaren Tagen?
Wird am 20. April tatsächlich mehr konsumiert?
Notaufnahmebesuche
Verkehrsunfälle – ein umstrittener Zusammenhang
Große soziale Ereignisse können Konsum und damit verbundene Risiken zeitlich bündeln. Beobachtungsstudien zeigen Zusammenhänge, aber nicht automatisch deren Ursache.
Häufige Fragen
Wie spricht man 420 aus?
Im englischsprachigen Kontext meistens „Four Twenty“. Im Deutschen sind sowohl „Four Twenty“ als auch „Vierzwanzig“ zu hören.
Bedeutet 420 immer den 20. April?
Nein. Die Zahl kann das Datum, die Uhrzeit oder Cannabis allgemein bezeichnen.
Ist 420 eine Cannabissorte?
Nein. 420 ist weder eine Sorte noch ein Kultivar oder Chemovar.
Ist 420 ein Polizeicode?
Nein. Für diese häufig wiederholte Entstehungsgeschichte gibt es keine belastbaren Belege.
Ist die Geschichte der Waldos wissenschaftlich bewiesen?
„Bewiesen“ wäre für private Jugendsprache ein zu starkes Wort. Erhaltene Briefe aus den 1970er-Jahren liefern aber frühe zeitgenössische Belege. Deshalb gilt die Waldos-Geschichte als die am besten dokumentierte Herkunft.
Ist am 20. April Cannabis automatisch erlaubt?
Nein. Das Datum verändert keine gesetzlichen Regelungen, Hausregeln oder Rauchverbote.
Was bedeutet „420 friendly“?
Der Ausdruck beschreibt ein gegenüber Cannabis tolerantes Umfeld. Er ersetzt keine rechtliche Erlaubnis.
Quellen
Associated Press: Entstehung, Originaldokumente und Verbreitung von 4/20
High Times: Chronologie der 420-Geschichte
TIME: Interviews mit Mitgliedern der Waldos
Journal of Studies on Alcohol and Drugs: Tagebuchstudie zum Konsum am 20. April
Emergency Medicine Journal: Notaufnahmebesuche in Vancouver
JAMA Network Open: US-Notaufnahmebesuche am 20. April
JAMA Internal Medicine: US-Verkehrsunfälle
Accident Analysis & Prevention: Verkehrsunfälle in Großbritannien