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Glossar 420
Kultur & Szene

420

Wie eine Uhrzeit zum weltweiten Symbol der Cannabiskultur wurde.

Etwa 9 MinutenAktualisiert August 2026
AusgesprochenFour Twenty
UrsprungKalifornien · 1971
HeuteKulturcode
In einem Satz

420 ist ein ursprünglich amerikanischer Szenecode, der sich von einer privaten Verabredung unter Schülern zu einem weltweiten Symbol der Cannabiskultur entwickelte.

Was bedeutet 420?

Wer „420“ schreibt oder sagt, bezieht sich meistens auf Cannabis oder die damit verbundene Kultur. Die Zahl kann die Uhrzeit 4:20 Uhr nachmittags, den 20. April oder Cannabis ganz allgemein bezeichnen.

Auch der Ausdruck „420 friendly“ stammt aus diesem Zusammenhang. Er weist darauf hin, dass eine Person oder ein Umfeld Cannabis grundsätzlich toleriert. Eine rechtliche Erlaubnis entsteht dadurch nicht.

Keine medizinische Kennzahl

420 ist weder ein Cannabinoid noch eine Dosis, ein Rezeptor oder ein chemischer Messwert.

Woher kommt 420?

Die am besten dokumentierte Geschichte beginnt 1971 im kalifornischen San Rafael. Fünf Schüler der San Rafael High School nannten sich „The Waldos“, weil sie sich regelmäßig an einer Mauer trafen.

Die Gruppe soll eine Karte zu einer angeblich aufgegebenen Cannabis-Pflanzung erhalten haben. Für die gemeinsame Suche verabredeten sich die Jugendlichen nach Schulschluss um 4:20 Uhr an einer Statue des Wissenschaftlers Louis Pasteur.

Aus der Verabredung „420 Louis“ wurde später die kürzere Bezeichnung „420“. Die gesuchte Pflanzung fanden die Jugendlichen nach eigenen Angaben nie. Der Zahlencode blieb jedoch in ihrem Freundeskreis erhalten.

Die WaldosDie Schüler verwenden 420 als privaten Code und als Verabredungszeit.
Der FlyerBei einem Grateful-Dead-Konzert kursiert ein Aufruf für ein Treffen am 20. April um 4:20 Uhr.
High TimesDas Magazin veröffentlicht den Flyer und verbreitet den Ausdruck über die lokale Szene hinaus.
Internationales Symbol420 ist weltweit als Kulturcode, Datum und Veranstaltungsbegriff bekannt.
Historische Einordnung

Wie sicher ist diese Herkunft?

Bei informeller Szenesprache gibt es selten eine amtliche Geburtsurkunde. Für die Waldos sprechen jedoch ungewöhnlich frühe Belege: Die Gruppe bewahrte abgestempelte Briefe und weitere Unterlagen aus den 1970er-Jahren auf, in denen 420 bereits im Cannabis-Kontext vorkommt. Das Oxford English Dictionary zog diese Dokumente 2017 für seinen Wörterbucheintrag heran. Das macht die Geschichte zur am besten belegten Erklärung – auch wenn sich private Gespräche von 1971 naturgemäß nicht vollständig rekonstruieren lassen.

Wie wurde aus dem Code ein weltweites Symbol?

Mitglieder der Waldos hatten Verbindungen zum Umfeld der Rockband Grateful Dead. Vermutlich verbreitete sich der Ausdruck dadurch unter den Fans der Band, den sogenannten Deadheads.

Ende 1990 wurde bei einem Konzert in Oakland ein Flyer verteilt, der zu einem Treffen am 20. April um 4:20 Uhr aufrief. Der Journalist Steve Bloom erhielt ein Exemplar. High Times veröffentlichte den Text 1991 und verwendete 420 anschließend regelmäßig. Wer den ursprünglichen Flyer verfasste, ist bis heute nicht eindeutig bekannt.

Warum der 20. April?

In den USA wird das Datum mit dem Monat zuerst geschrieben. Der 20. April erscheint deshalb als 4/20. So ließ sich die bereits bekannte Uhrzeit 4:20 auf einen Kalendertag übertragen.

Heute steht der Tag je nach Kontext für Festivals, politische Forderungen, Popkultur oder gemeinschaftliche Veranstaltungen.

Welche 420-Geschichten stimmen nicht?

Rund um die Zahl entstanden zahlreiche Erklärungen. Für viele davon fehlen belastbare historische Belege.

Verbreiteter MythosPolizeicode420 ist kein allgemeiner amerikanischer Polizeicode für Cannabiskonsum.
Kein Ursprung420 InhaltsstoffeDie Zahl der beschriebenen Inhaltsstoffe erklärt den Szenecode nicht.
ZahlenspielBob Dylan12 × 35 ergibt zwar 420, belegt aber keine Herkunft des Begriffs.
Zufälliges DatumHitlers GeburtstagDie Übereinstimmung mit dem 20. April besitzt keinen belegten Bezug zur Entstehung.

Was lässt sich an 4/20 wissenschaftlich untersuchen?

420 besitzt keine eigene biologische Wirkung. Forschende können den 20. April aber als natürliches Experiment verwenden: Treten an einem Tag mit vielen Veranstaltungen bestimmte Ereignisse häufiger auf als an vergleichbaren Tagen?

Studienlage

Wird am 20. April tatsächlich mehr konsumiert?

Tagebuchstudie an drei US-Universitäten59 Studierende, die bereits Cannabis konsumierten, wurden zwölf Tage lang täglich befragt. Am 20. April berichteten 50 Prozent einen Konsum – an normalen Werktagen waren es 28 Prozent, an Wochenendtagen 37 Prozent.
Auch die Menge war höherIm Mittel wurden am 20. April 0,79 Gramm angegeben. Zum Vergleich: 0,35 Gramm an Werktagen und 0,47 Gramm an Wochenendtagen. Die Zahl einzelner Konsumphasen war ebenfalls höher.
Aber: eine kleine StichprobeDie Studie zeigt ein klares Muster innerhalb dieser Gruppe, ist mit 59 Personen jedoch zu klein, um daraus auf alle Konsumierenden zu schließen. Interessant ist außerdem: Mehr Konsum ging in dieser Untersuchung nicht eindeutig mit mehr negativen Folgen oder stärker empfundener Intoxikation einher.
Studienlage

Notaufnahmebesuche

Vancouver, 2009–2018Die Gesamtzahl aller Notaufnahmebesuche war am Abend des 20. April nicht eindeutig erhöht. Das dem Festivalgelände nächstgelegene Krankenhaus verzeichnete jedoch rund 17 Prozent mehr Besuche. In kleinen Untergruppen wurden stärkere Anstiege bei Substanzmissbrauch und Intoxikationen beobachtet.
USA, 2016–2023Eine Auswertung fand am 20. April 17 Prozent mehr cannabisbezogene Notaufnahmebesuche als am 13. und 27. April. Der Zusammenhang war bei jüngeren Erwachsenen besonders ausgeprägt. Diagnosecodes zeigen allerdings nicht in jedem Fall, ob Cannabis der tatsächliche Grund für den Besuch war.
Studienlage

Verkehrsunfälle – ein umstrittener Zusammenhang

USA, 1992–2016Zwischen 16:20 Uhr und Mitternacht waren am 20. April 1.369 Fahrer in tödliche Unfälle verwickelt. Auf die beiden Vergleichstage entfielen zusammen 2.453 Fahrer. Auf vergleichbare Zeiträume umgerechnet entsprach das einem relativen Anstieg von 12 Prozent.
Großbritannien, 2011–2015Eine weitere Studie fand für Unfälle mit Verletzten oder Todesfällen einen relativen Anstieg von 17,9 Prozent.
Warum das noch kein Ursachenbeweis istDie Unfalldaten zeigen weder, ob die beteiligten Personen Cannabis konsumiert hatten, noch wie viel Verkehr an den jeweiligen Tagen unterwegs war. Auch Veranstaltungen, Alkohol oder andere Faktoren können eine Rolle spielen. Die amerikanische Analyse wurde deshalb methodisch kritisiert. Korrekt ist: Die Studien fanden einen statistischen Zusammenhang – nicht den Beweis, dass 420 die zusätzlichen Unfälle verursachte.
Die wissenschaftliche Kernaussage

Große soziale Ereignisse können Konsum und damit verbundene Risiken zeitlich bündeln. Beobachtungsstudien zeigen Zusammenhänge, aber nicht automatisch deren Ursache.

Häufige Fragen

Wie spricht man 420 aus?

Im englischsprachigen Kontext meistens „Four Twenty“. Im Deutschen sind sowohl „Four Twenty“ als auch „Vierzwanzig“ zu hören.

Bedeutet 420 immer den 20. April?

Nein. Die Zahl kann das Datum, die Uhrzeit oder Cannabis allgemein bezeichnen.

Ist 420 eine Cannabissorte?

Nein. 420 ist weder eine Sorte noch ein Kultivar oder Chemovar.

Ist 420 ein Polizeicode?

Nein. Für diese häufig wiederholte Entstehungsgeschichte gibt es keine belastbaren Belege.

Ist die Geschichte der Waldos wissenschaftlich bewiesen?

„Bewiesen“ wäre für private Jugendsprache ein zu starkes Wort. Erhaltene Briefe aus den 1970er-Jahren liefern aber frühe zeitgenössische Belege. Deshalb gilt die Waldos-Geschichte als die am besten dokumentierte Herkunft.

Ist am 20. April Cannabis automatisch erlaubt?

Nein. Das Datum verändert keine gesetzlichen Regelungen, Hausregeln oder Rauchverbote.

Was bedeutet „420 friendly“?

Der Ausdruck beschreibt ein gegenüber Cannabis tolerantes Umfeld. Er ersetzt keine rechtliche Erlaubnis.

Quellen

Verwandte Begriffe

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